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ARCHIV 2011

Livetricker Tortour 2011

Dies ist mein erster und letzter Eintrag über den Liveticker.

Das Team war Heute Morgen mit Checks der Räder und des Autos beschäftigt. Kurt mein Mechaniker wie auch das ganze Merida Team (belimport.ch) hat tolle Arbeit geleistet. Der Merida Caddy, wie auch die Räder haben den Check problemlos überstanden.

Nun ist die Crew am Einkaufen und ich darf mich bei Sonnenschein im Zimmer ausruhen. Es verbleiben mir noch 4,5h bis zum Start des Prologs. Ich freue mich riesig auf den Event. Ich bin bereit und fühle mich fit für den Start.

So, nun möchte ich mich noch beim Team bedanken, denn sie leisten eine enorme Arbeit für mich. Mein Job besteht "nur noch" aus Radfahren. Um alles andere kümmert sich mein Team. Herzlichen Dank ans Team, Sponsoren und auch die Leute zu Hause, welche mich während der Fahrt unterstützen.

Gruss Simi 

 

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Rheinfall, Do, 20.15 Uhr

Pünktlich um 16.00 Uhr ist die 3. Tortour mit dem Prolog gestartet. Strahlender Sonnenschein, schreiende Zuschauer, bis aufs letzte Detail organisierter Anlass – alles ist perfekt! Der Prolog, mit Start am Rheinfall, führte die Athleten über eine kurze, aber überaus steile Rampe ins Zentrum von Neuhausen. Ich kann nur so viel sagen, die Tortour ist mit einem Paukenschlag gestartet und Simi hat bereits im Prolog eine erste Duftmarke gesetzt. Mit einer Zeit von 1 Minute und 21 Sekunden belegt Simi den 2. Platz und wird so morgen um 03.02 Uhr als 2. Fahrer auf die 1000 km gehen. So, die Ausgangslage ist damit geschaffen. Nun heisst es nach einer kurzen Nacht Vollgas geben. Simi hat seine Ziele klar wie selten zuvor kommuniziert, wir sind nun verantwortlich, auf Grund deren und anhand des Renngeschehens, laufend neue Entscheidungen zu treffen und so Simi hoffentlich die nötige Unterstützung zu liefern. Nicht nur Simi, auch wir sind dieses Mal besonders gefordert. Die wenigen Pausen müssen noch kürzer und effektiver gestaltet werden. Denn was bringt es, wenn Simi fährt als ob es keinen Morgen geben würde und wir verschwenden unnötig Zeit. Deshalb heisst es wirklich für alle – volle Konzentration von der ersten Sekunde an. Zusammen sind wir stark! Wir haben riesiges Vertrauen in Simi und sind zu 100% davon überzeugt, dass er erneut eine fantastische Leistung abliefern wird! So Leute, wir werden uns morgen zu früher Stunde wieder melden. Schlaft gut und bis bald…

 

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Rohrschach, 05.10 Uhr

Die ersten 2 Stunden auf unserer langen Reise durch die Schweiz sind geschafft. Simi hat von Anfang an den Rhythmus gefunden und den vor ihm gestarteten Reto Schoch innerhalb ein paar km eingeholt. Leider haben wir bereits 2 Mal unangenehme Erfahrungen mit dem Routebook gemacht. Wenn auch nur mit einem winzigen Zeitverlust, sind solche Zwischenfälle trotzdem sehr nervenaufreissend. In erster Line sicher für Simi, der verständlicherweise gut auf jeden zusätzlichen km verzichten kann, auf der einen Seite aber auch für uns, weil die Nervösität und Unsicherheit so ansteigt. Nicht desto trotz, der Start kann als gelungen bezeichnet werden. Simi fühlt sich gut, ist voller Tatendrang und liegt bereits wieder an 2. Stelle. Eigentlich sollte er sich momentan besonders wohl fühlen, fährt er doch mit Ratschob einem vom Glocknerman her sehr bekannten Arsch nach (Also Hinterteil, nicht Ratschob = ArschJ)! Ah, ihr versteht schon was ich meine… Wir freuen uns auf den ersten Sonnenaufgang!

 

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Flüelapass, 09.15 Uhr

Wieder sind mehr als 4 Stunden vergangen. Är het doch äs bitzji z’kämpfu. Die Beine wollen nicht wirklich so wie er und auch der “Pfupf“ fehlt, so zumindest Simis empfinden. Resultatmässig ist noch nichts Weltbewegendes passiert. Immer noch sind die ersten 8 Fahrer ziemlich nahe beieinander. Jetzt heisst es kühlen Kopf bewahren und regelmässig verpflegen. Irgendwann werden dann die Beine schon auch mitspielen. Psychisch im Moment eine harte Phase für Simi. Ein riesiger Vorteil, dass Kevin Biehl, ein ähnlich verrückter Kerl wie Simi, praktisch gleich schnell fährt und ihn ein bisschen aufmuntert. Oft sind die Fahrer untereinander weit mehr als Konkurrenten. Das kann man von diesen zwei auf alle Fälle behaupten. Da haben sich zwei junge, sympathische, talentierte Extremsportler gefunden. So, jetzt also mal alle kräftig die Daumen drücken. Das wird schon wieder…

 

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Zwischen Julierpass und Bonaduz, 13.30 Uhr       

Die ersten 2 Pässe sind geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl Simi zeitmässig nicht extrem viel Zeit verliert, ist er mit sich und seinem Befinden überhaupt nicht zufrieden. Die Beine wollen einfach nicht wie der Kopf. Er bemüht sich, bleibt positiv, versucht immer wieder einen höheren Rhythmus zu gehen, doch es fehlt einfach der letzte Zacken. Nicht einfach, ihn so leiden zu sehen. Das Positive, das Rennen dauert noch lang und irgendwann, hoffentlich bald, wird das Glück wieder zu Simi zurück kehren. Wer ihn kennt, weiss, was für ein grosses Kämpferherz in ihm steckt. Wir versuchen ebenfalls unser Bestes und feuern ihn so gut wie möglich an. Am Julierpass sind nun auch Antoinette und Heini zu uns gestossen. Sicher auch nochmals eine zusätzliche Motivation. So, jetzt wünschen wir euch aus dem Betreuerauto einen wunderschönen Nachmittag und hoffen sehr, beim nächsten Bericht von einem völlig erholten Simi berichten zu dürfen. Hört sich jetzt vielleicht alles sehr negativ an, doch wer zuletzt lacht… Und wenn ich an etwas glaube, dann „jeder wie es verdient“, also kann es nur noch besser werden!

 

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Disentis, 17.15 Uhr                

No news good news! Na ja, kann ich leider so nicht bestätigen. Wir haben Simi jetzt doch schon an einigen Ultraradrennen begleitet und sind auch einiges gewohnt. Mal eine Krise hier, mal was Kleines da, aber immer wieder hat er sich aufgefangen und dann den Turbo gezündet. Nun sitzt Simi bereits 14 Stunden auf dem Velo und kämpft gegen seine hohen Erwartungen. Einmal mehr, wir sind immer noch schneller unterwegs also vor einem Jahr, aber Simi ist nicht mehr so einfach zufrieden zu stellen. Die tollen Resultate der letzten Monate haben natürlich sehr viel Hoffnung für die diesjährige Tortour gemacht. Es ist wirklich ein zähes Ringen mit sich selber. Doch ich würde sagen, never give up, oder? Simi wird auch diesen Kampf gewinnen und dann rollen wir das Feld von hinten auf. Jetzt folgen dann bald die Pässe Oberalp, Gotthard und Nufenen. Wir sind uns sicher, anschliessend sieht das alles schon wieder ganz anders aus! Seine letzten Worte, wenn wir um 19.00 Uhr in Andermatt sind, fahren wir weiter! Das schaffen wir – bestimmt!

 

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Richtung Nufenen, 20.20 Uhr

Yes, we can – he can! Ich möchte nichts verschreien. Aber Simi macht doch den Eindruck, als ob er langsam aber sicher besser in Schwung kommt. Nicht so überraschend, geht es doch unserer Heimat entgegen. Oder ist es vielleicht, weil Jean-Noel und Stefan zu uns gestossen sind? Wohl noch eher. Markus und Reto sind in Andermatt auf direktem Weg nach Visp, um die eine oder andere Stunde Schlaf nachzuholen. Sie werden dann in Montreux wieder zu uns stossen. Schlaft gut und erholt euch gut. Wir befinden uns am Fusse des Nufenen und versuchen jetzt, langsam Zeit gut zu machen. Das Wichtigste aber ist, dass der Mut langsam zurück kommt. Das eine oder andere Mal ist sogar bereits ein Lachen über sein Gesicht gehuscht. Was haben wir schon zu verlieren. Simi hat dieses Jahr bereits mehrmals bewiesen, dass er zu den Besten gehört. Er muss niemandem etwas beweisen. Simi, egal wie es weitergeht und was du für Entscheidungen triffst. Wir stehen hinter dir und sind für dich da. In guten wie in schlechten Zeiten! Jetzt freuen wir uns riesig auf die Timestation in Brig. Unglaublich viele Leute warten dort auf Simi und werden ihm hoffentlich einen unvergesslichen Empfang bereiten. Wir beeilen uns…

 

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Sion, 0:45 Uhr

Timestation Brig, was für ein Empfang für Simi. Wenn das mal keine Power gibt, dann weiss ich auch nicht mehr. Ohnehin ist Simi jetzt um einiges flüssiger unterwegs. Wir durchqueren gerade den Pfynwald und erste Schlafanzeichen machen sich bemerkbar. Für einen Aktivator ist es noch zu früh, hoffen wir, dass wir es für den Moment mit Red-Bull hinbekommen. Ansonsten sind wir zwar ein wenig optimistischer, so richtig Rund läuft es aber immer noch nicht. Wäre schön, wenn wir zur Abwechslung mal jemanden überholen würden, leider sieht es im Moment nicht so aus. Es ist wirklich ein Rennen auf unglaublich hohem Niveau. Wir dürfen sehr gespannt sein, wie sich das Kräfteverhältnis während der Nacht verändern wird. Wer macht Pause, wann und wie lange, das ist die grosse Frage. Wir werden alles versuchen, die Nacht ohne Pause durchzufahren und so ein paar Plätze gutzumachen. Mal schauen, nach Möglichkeit werden wir uns auch während der Nacht mal melden, spätestens jedoch morgen früh! Auf alle Fälle vielen Dank schon mal für den tollen Empfang in Brig und bitte, weiter SMS, Einträge ins Gästebuch oder was auch immer schreiben. Simi ist für jede Aufmunterung sehr dankbar. Schlaft gut und bis später…

 

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Murten, 08.15 Uhr

Die Nacht durch hat es lange wirklich gut ausgesehen. Der Tritt war runder und er hat sich nach den Abständen nach vorne erkundigt. Leider sind in der Zwischenzeit wieder dunkle Wolken am Himmel aufgezogen. Eigentlich genau dasselbe Problem wie gestern. Die Beine wollen einfach nicht. Er isst diszipliniert, trinkt genug, doch egal was wir versuchen, es will und will nicht. Unglaublich hart Simi so leiden zu sehen. Bei der Timestation in Murten ist jetzt auch noch Freddy, sein Cousin mit seiner Freundin dazugestossen. Vielleicht hilft ein bisschen frischer Wind. Ganz ehrlich, langsam sind wir am Ende des Lateins. Die grosse Frage ist WARUM? Warum will und will es nicht laufen. Simi ist so toll in Form, die Vorbereitung war perfekt und trotzdem funktioniert es einfach nicht. Doch was nützt es mit dem Schicksal zu hadern. Wir haben keine Wahl als weiter an das Unmögliche zu glauben und auf ein kleines Wunder zu hoffen. Zeit bleibt ja noch… 

 

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Balsthal, 11.30 Uhr

Was für ein Tag. Die Sonne brennt vom Himmel, einfach so richtiges Velowetter. Simi fährt momentan einen regelmässigen Rhythmus, mit welchem er sich Meter für Meter dem Ziel nähert. Er hat sich in der Zwischenzeit mit der Situation abgefunden und versucht einfach das Beste aus der Situation herauszuholen. So kennen wir Simi. Er wird alles versuchen, um auf den letzten 150 km nochmals alles aus sich heraus zu holen. Für sich, für uns, für euch. Er ist unglaublich stolz, so geniale und vor allem zahlreiche Fans wie euch zu haben. Nur so kann man es schaffen, sich 40 Stunden zu quälen, obwohl der Körper nicht hergibt, was er eigentlich zu leisten im Stande ist. Simi beweist Charakter, nichts anderes haben wir von ihm erwartet und auch aus diesem Grund stehen wir hinter ihm, egal wie das Rennen ausgeht. Siegen ist zwar schön und dafür hat Simi das letzte Jahr auch hart wie nie gearbeitet, doch die diesjährige Tortour wird Simi für die Zukunft nur noch stärker machen. Jeder Andere hätte bereits aufgegeben, nicht so Simi mit seinem riesigen Kampfgeist. Er wird es schaffen und wer weiss, vielleicht sogar schneller als die angestrebten 40 Stunden. Der Rang ist für einmal Nebensache. Simi, einfach weiter so, wir sind sehr stolz auf dich…

 

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Weidhof, 16.15 Uhr

Noch 65km bis ins Ziel. Simi schlägt sich sehr tapfer. Er zieht es bis zum bitteren Ende durch. Die letzten 50km waren wirklich ein Höllenritt. Hoch runter hoch runter und dass jeweils mit bis zu 20 Steigungsprozenten. Echt Wahnsinn wenn man bedenkt, dass die Fahrer mittlerweile bereits mehr als 900 km in den Beinen haben. Die ersten 3 Fahrer sind bereits im Ziel. Simi hat sein Ziel leider verfehlt. Er wird bestimmt einige Tage, ja wohl Wochen brauchen, um diese Enttäuschung zu verdauen. Doch für die Zukunft wird es ihn nur noch stärker machen. Dies ist soweit unsere letzte Einschaltung. Wir sind sehr glücklich, dass sich Simi nochmals so zusammen gerissen hat und das Ziel in Neuhausen zum 3. Mal in Serie erreichen wird. Zum Schluss möchten wir uns bei euch allen bedanken. Einfach nur grossartig, was ihr alle für Simi gemacht habt. Er weiss es zu schätzen und ist sehr traurig, dass er sich nicht mit einem Podestplatz bei euch bedanken kann. Doch ich hoffe, es geht euch nicht anders als uns. Es ist eine Wahnsinnsleistung, welche er erneut erbracht hat. Egal, ob es nun ein 3. oder 8. Rang wird. Simi, danke für dieses tolle Weekend. Für uns bist und bleibst du der Beste, der Allerbeste. Schönes Weekend und nochmals vielen Dank an alle

 

Simi und Betreuer

 

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